Offen und transparent adressierte Ministerpräsident Kretschmann in seiner Eröffnungsrede die Nöte der Bauwirtschaft und machte auch keinen Hehl daraus, inwieweit der Staat darin unterstützen kann und wo er an seine Grenzen kommt.

Die Ministerinnen Razavi und Hoffmeister-Kraut sowie Staatssekretärin Lindlohr ließen die bisherigen Höhepunkte des Strategiedialogs Revue passieren, allen voran die Projekte aus beiden Förderrunden.

Wien kann nicht kopiert werden“, so Professor Scheuvens, der mit seinem Vortrag mehr als einen Impuls setzte und die Anwesenden inspirierte. Über den restlichen Tag hinweg konnte man überall Zitate hören, Zustimmung oder auch kritische Auseinandersetzungen mit aufgestellten Thesen und Forderungen, die sich gut in dem Vortragstitel „Mehr als Wohnen“ zusammenfassen lassen.

Dementsprechend offen war auch die anschließende Podiumsdiskussion mit Umweltministerin Walker, Bauministerin Razavi und Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut sowie den drei Themensäulen-Co-Vorsitzenden Tim von Winning, Dr. Albert Dürr und Professor Dirk Hebel.

Netzwerk und Innovation

Nach dem intensiven Vormittag lockte die Mittagspause mit regionalen Leckereien, der IBA’27 Wanderausstellung und den Projekten der Patenschaft „Innovativ Wohnen“. Viele Teilnehmer nutzen die Zeit, um sich unabhängig vom Programm zu den aktuellen Herausforderungen der Baubranche auszutauschen.

Wer Innovationen suchte, dem wurde diese in der Mittagszeit im Plenum geboten. Hier pitchten fünf verschiedene Start-ups – unter der Moderation von GROUNDBREAKERS – ihre Lösungen und Produktideen. Zu den Start-ups, die sich auf der Jahresveranstaltung des SDB BW vorstellten, gehörten:

Programm Jahresveranstaltung

Programm-Jahresveranstaltung-SDB.pdf (131.3 kB)

Dicke Werkzeuge und dialogische Kooperation

Am Nachmittag waren dann die Teilnehmer gefragt. In insgesamt sechs verschiedenen Foren wurden unterschiedliche Fragen gestellt, Lösungen erarbeitet und mögliche, weitere Schritte des Strategiedialogs festgehalten.

Im ersten Forum,Gewerbegebiete als Potenziale – Quartiere der Zukunft“, kristallisierten sich zwei Dreh- und Angelpunkte heraus. Um gemischte Quartiere zu ermöglichen, benötigen wir eine Änderung des Immissionsschutzgesetzes und mehr vorhabenbezogene Bebauungspläne.

Alle Anwesenden waren sich im Forum 2 „Dicke Bretter, scharfe Werkzeuge? Potenziale heben im Wohnraumbestand“ einig, dass die Wohnraumfrage nur mit der Aktivierung im Bestand behoben werden kann. Unter der Anleitung von Cord Soehlke stellten sich die Teilnehmer dann in kleinen Gruppen den Fragen:

  • mit welchen Werkzeugen kann der Bestand aktiviert werden?
  • Wie können Wohneigentümer überzeugt werden, ihren Wohnraum zu teilen?
  • Wie kommen wir weg von einem Flickenteppich der einzelnen Leuchtturmprojekte hin zu flächendeckendem, kommunalem Wohnraummanagement?

Im Forum 3, „Kompetenzen für innovatives Bauen“ diskutierten die Teilnehmer in einem an ein World Café angelehntes Format, wie ausreichend Fachkräfte in der Bauwirtschaft zukunftsfit werden. Die Schwerpunkte lagen auf der Wissensvermittlung und Motivation im Bereich der Digitalisierung, einem Qualifizierungsprogramm für zirkuläre Bauen und Nachhaltigkeit und dem Zusammenspiel mit der Bundesagentur für Arbeit.

In Forum 4, „Zirkuläre Bauen ist mehr als Kreislaufwirtschaft“ wurden die Zwischenarbeitsergebnisse der Themensäule II präsentiert, welche auf das zirkuläre Bauen und die Transformation des Bestands abzielen.  Wichtiger Meilenstein für die Themensäule II ist ein erarbeitetes Impulspapier mit konkreten Forderungen in Bezug auf die Reduzierung von CO₂-Emissionen, dem Einsatz von Sekundärmaterialien und einem verpflichtenden digitalen Gebäuderessourcenpass.  Neben den zirkulären Themen waren sich alle einig, dass der vorhandene Gebäudebestand mehr Bestandsschutz erhalten und gefördert werden muss.

Professor Stefan Leupertz und Michael Halstenberg erklärten im Forum 5, „Kooperation als ökonomisches Prinzip – die Flexibilisierung von Standards als Voraussetzung für effizientes und innovatives Bauen“, die Relevanz von dialogischer Kooperation im baurechtlichen Vertragswerk.
Dialogische Kooperation heißt, dass eben nicht die anerkannten Regeln der Technik frei gestaltet, sondern dass man das Vertragsrecht so gestaltet, dass die Vertragspartner gemeinsame Ziele festlegen und ihre vertragliche Freiheit gemeinsam festlegen können.
Um Freiheiten im Vertragsabschluss zu schaffen, braucht es eine Änderung im BGB. Die Arbeitsgruppe um Professor Leupertz und Herrn Halstenberg hat das Ziel, diesen Vorschlag auf Bundesebene zu adressieren, zugestimmt.

Das Forum 6, „Digitalisierung als Katalysator für die Produktivität am Bau“ startete mit zwei kurzen Impulsen. Herr Professor Gipperich sprach kurz zum Thema des Forums. Danach stellte Frau Köhler vom IRB eine Umfrage zur Bauwirtschaft vor, die vom Fraunhofer durchgeführt wurde. Im Anschluss tauschten sich die Teilnehmer:innen zu den Herausforderungen und Möglichkeiten der Digitalisierung in Bauwirtschaft aus.