Mit dem zweiten Netzwerktreffen des Strategiedialogs „Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen“ Mitte Dezember wurde ein bewusst offenes Format fortgeführt, das Akteurinnen und Akteure aus Ministerien, Kommunen, Industrie, Planerschaft und weiteren Initiativen zusammenbringt. Ziel des Treffens war es, konkrete Umsetzungsperspektiven für ein reales Sekundärrohstoffzentrum zu diskutieren und neue Akteuer:innen in der Region Stuttgart und darüber hinaus einzubeziehen.
Gewerbe- und Transformationsflächen
Einen kommunalen Einblick gab die Stadt Leinfelden-Echterdingen. Sie ordnete das Thema Urban Mining in vier strategische Ebenen der Stadtentwicklung ein und machte deutlich, dass Leinfelden-Echterdingen bereits heute über eine starke industrielle Basis verfügt. Die Stadt sei kein Entwicklungsstandort auf der grünen Wiese, sondern ein Ort mit gewachsenen Strukturen und vielen vorhandenen Gewerbeflächen.
Besondere Bedeutung kommt dabei den Gewerbe- und Transformationsflächen entlang der B27 zu. Hier wird aktuell geprüft, inwiefern bestehende Versorgungsflächen perspektivisch auch für neue Nutzungen – etwa als erste Bausteine für Lagerung oder Materialumschlag – aktiviert werden könnten. Baurechtlich wären solche Nutzungen grundsätzlich denkbar, stoßen jedoch auf wirtschaftliche und organisatorische Hürden.
Ein weiterer Baustein ist der laufende städtebauliche Wettbewerb „Sprung über die Gleise“ im Hinblick auf die Werksschließung des Bosch Power Tools – Standorts. Die Ergebnisse sollen Anfang des kommenden Jahres vorliegen und könnten wichtige Impulse für innovationsorientierte Nachnutzungen liefern. Ergänzt wird dies durch den Aufbau eines Gründer- und Innovationszentrums (GIZ) in einem bestehenden Gewerbegebäude. Dieses soll ab dem dritten Quartal 2026 in Betrieb gehen und als Innovationstreiber wirken, allerdings ohne eigene Lagerfunktionen.
Ziel ist es, Unternehmen auf Transformationsflächen zu eigenständigen, marktfähigen Einheiten zu entwickeln. Eine Festlegung auf einzelne Themenfelder wie Bioökonomie wolle man bewusst vermeiden. Stattdessen setzt die Stadt auf die Anbindung an die Hochschullandschaft, unter anderem durch Kontakte zur Universität Hohenheim, sowie auf eine stärkere Vernetzung mit der Stadt Stuttgart.
Aufbau von Urban-Mining-Hubs in Deutschland
Ein Bericht von Concular gab einen spannenden Impuls und Einblick in Bezug auf den Aufbau und Betrieb von Urban-Mining-Hubs. Concular versteht sich als Vermittlerin von Baumaterialien und als Anbieterin digitaler Werkzeuge zur Ressourceneinsparung. Der Ansatz umfasst die systematische Bestandserfassung, Bewertung und Inventarisierung verbauter Materialien, die Erstellung von Ressourcenpässen, sowie die Organisation von Logistik, Wiederverkauf und Wiedereinbau.
Ein zentrales Hemmnis für zirkuläres Bauen sei die zeitliche Entkopplung von Angebot und Nachfrage: Materialien fallen beim Rückbau zu einem anderen Zeitpunkt an, als sie für Neubau- oder Umbauprojekte benötigt werden. Ohne Zwischenlagerung und qualitätssichernde Aufbereitung scheitern viele Projekte trotz grundsätzlicher Nachfrage. Urban-Mining-Hubs schließen hier eine systemische Lücke.
Anhand internationaler Beispiele – etwa Resirqel in Oslo, der Återbyggdepå in Malmö oder dem Urban Mining Hub Berlin – zeigte Concular unterschiedliche Betriebsmodelle auf. Diese reichen von genossenschaftlich organisierten B2B-Hubs bis hin zu öffentlich zugänglichen Zentren mit Ausbildungsformaten. Entscheidend sei dabei der richtige Materialfokus: Ein Hub für Fenster erfordert andere Prozesse als ein Hub für mineralische Baustoffe. Ebenso müsse die Vertriebsstrategie klar definiert sein – B2B-Modelle unterscheiden sich grundlegend von offenen Reuse-Zentren.
Concular verfolgt einen schrittweisen Aufbauansatz, der lokale Materialströme, verfügbare Flächen und bestehende Akteurslandschaften berücksichtigt. Derzeit sind Hubs unter anderem in Berlin und Frankfurt in Betrieb, weitere Standorte befinden sich in Planung. Baden-Württemberg wurde explizit als Chance für einen weiteren Hub benannt.
Bau-Ressourcen-Plattform Stuttgart
Groundbreakers stellte die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses zur Bau-Ressourcen-Plattform Stuttgart, welcher im Sommer 2025 stattfand, vor. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass es bereits zahlreiche Bauteilbörsen gibt, diese jedoch bislang keinen Durchbruch im großen Maßstab erzielt haben. In Interviews mit rund 20 Expert:innen, sowie innerhalb mehrere Workshops mit unterschiedlichen Akteur:innen aus dem Bauwesen wurden zentrale Hemmnisse identifiziert: fehlende Akzeptanz, rechtliche Unsicherheiten, Garantiethemen, Imageprobleme und ein nach wie vor verstärktes lineares Denken in Bauprozessen.
Als Lösungsansatz wurden drei Bausteine entwickelt: Erstens eine digitale Infrastruktur als zentrale, neutrale Plattform, die vorhandene Angebote verknüpft und standardisierte Datenformate nutzt. Zweitens ein Logistik-Hub mit klar definierten Use-Cases, der bewusst auf wenige ausgewählte Bauteile und kurze Lagerzeiten setzt, um Kosten und Qualitätsrisiken zu minimieren. Drittens die Rolle eines/r Stoffstrommanager/in in der Kommune, der/die alle Materialflüsse koordiniert, Rückbauprojekte frühzeitig sichtbar macht und als zentrale Ansprechperson fungiert.
Der Ausblick ist klar: Zirkuläre Lösungen müssen wirtschaftlich vergleichbar mit neuen Produkten werden. Dafür braucht es ausreichende Mengen in konsistenter Qualität, ein starkes Netzwerk entlang der gesamten Wertschöpfungskette und den Übergang von kleinteiligen, privaten Lösungen hin zu skalierbaren B2B-Modellen.
Fazit
Das Netzwerktreffen zeigte eindrücklich, dass Urban Mining kein singuläres Projekt, sondern ein langfristiger Transformationsprozess ist. Kommunen wie Leinfelden-Echterdingen, spezialisierte Akteure wie Concular und konzeptionelle Ansätze wie die Bau-Ressourcen-Plattform Stuttgart ergänzen sich dabei. Entscheidend wird sein, aus Pilotprojekten belastbare Strukturen zu entwickeln – mit klaren Rollen, wirtschaftlichen Modellen und politischer Rückendeckung. Das Netzwerkformat bietet dafür eine wichtige Grundlage.