Die Technische Universität München (TUM) und die Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz mbH (GGH) Heidelberg realisieren im Rahmen des Strategiedialogs ein gemeinsames Forschungsprojekt über minimalinvasive Sanierungsansätze für die ganzheitliche, nachhaltige Transformation des Wohnungsbaubestandes. Im Mittelpunkt steht die Praxiserprobung einfacher Lösungen unter Berücksichtigung der tatsächlich im Betrieb gemessenen Energieverbräuche. Dafür werden an sieben baugleichen Häusern der GGH im Quartier Pfaffengrund in Heidelberg unterschiedliche Sanierungsmaßnahmen umgesetzt und von der Forschungsgruppe Einfach Bauen der TU München durch ein Energieverbrauchs-Monitoring vor und nach der Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen begleitet. Durch den Vergleich, zwischen den in der Planungsphase prognostizierten und im tatsächlichen Betrieb gemessenen Energieverbräuchen sollen Rückschlüsse gezogen werden können, die in eine ganzheitliche Bilanz der einzelnen Maßnahmen einfließen. Als Referenzvariante dient eine Vollsanierung nach dem EH-55-Standard.

Zur Messung der erforderlichen Daten haben die Wissenschaftler der TU München bereits einzelne Wohnungen mit Messboxen ausgestattet und bereits ein erstes Verbrauchsmonitoring des Ist-Zustandes durchgeführt.  Diese sollen neben den zentralen Ergebnissen aus den jährlichen Heizkostenabrechnungen wichtige Daten zur Entwicklung des Raumklimas hinsichtlich Raumtemperatur und -feuchtigkeit sowie zum CO₂-Gehalt ermöglichen.

Die Grundlagen der einzelnen Sanierungsvarianten werden aktuell erarbeitet, mit der ersten Phase der baulichen Umsetzung wird zeitnah begonnen. Im kommenden Winter kann dann das zweite Verbrauchsmonitoring durchgeführt werden. Die GGH Heidelberg verantwortet die Planung, Ausschreibung, Bauleitung und Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen.

„Es muss nicht immer der Top-Standard sein, der viel kostet. Die Auswahl der Maßnahmen erfolgt technologieoffen und sollte in der Breite den höchsten Nutzen bringen. Durch das Modellprojekt im Pfaffengrund erhoffen wir uns weitere Erkenntnisse dazu und zukunftsfähige sowie nutzerfreundliche Lösungsansätze“, so Bresinski.

Vergleichbare sanierungsbedürftige Häuser der 50er- und 60er-Jahre finden sich in Deutschland in großer Anzahl. Eine Skalierung der Ergebnisse wäre deshalb vielversprechend.

„Eigentlich ist klar, dass wir den Gebäudesektor in Deutschland dekarbonisieren müssen, und zwar im Bau und Betrieb. Doch mit den Mitteln und Standards, die wir heute bei der Sanierung und im Neubau anwenden, können wir weder die gewünschte Energieeffizienz noch die gewünschten Komfortparameter in Immobilien erreichen“, sagt Prof. Thomas Auer, Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen an der TU München. Möglicherweise wären einfachere Strategien effektiver, kostengünstiger und könnten eine Beschleunigung der energetischen Bestandssanierung befördern.

Finanziert aus Landesmitteln, die der Landtag Baden-Württemberg beschlossen hat. Gefördert im Rahmen des Strategiedialog „Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen“.

Weitere Infos zum Projekt: Einfach (Um-)bauen und Sanieren