Im Rahmen des Strategiedialogs „Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen“ des Landes Baden-Württemberg fand am 24. Februar 2026 die Themensäulenrunde zur „Transformation und Digitalisierung der Bauwirtschaft“ statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden und Verwaltung diskutierten aktuelle Entwicklungen und präsentierten Forschungsergebnisse sowie Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der Bauwirtschaft.
Aktuelle Entwicklungen und neue Förderstrukturen
Zu Beginn der Sitzung wurden aktuelle Initiativen zur Förderung von Innovation und Transformation im Bauwesen vorgestellt. Dazu gehört insbesondere das S-TEC Zentrum für industrialisiertes Bauen und Sanieren, das Unternehmen der Bauwirtschaft in Baden-Württemberg bei ihrer Transformation unterstützen soll. Das Vorhaben läuft von Juli 2025 bis Dezember 2027 und richtet sich gezielt an alle Unternehmen der Branche. Ziel ist es, Effizienz und Produktivität durch neue Bauverfahren, Digitalisierung und innovative Bauteile zu steigern. Die Resonanz aus der Branche ist groß: Mehr als 100 Bewerbungen aus verschiedenen Regionen Baden-Württembergs sind bereits eingegangen. Inhaltlich konzentriert sich die Förderung auf fünf Themenbereiche, darunter insbesondere Digitalisierung und Automatisierung sowie innovative Bauteile und Bausysteme. Neben der direkten Unterstützung einzelner Projekte steht auch die Vernetzung der beteiligten Akteure im Mittelpunkt.
Innovationsmanagement in der Bauwirtschaft
Ein Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf dem Projekt INNObau – Innovations- und Transfermanagement in der Bauwirtschaft, das von der Universität Stuttgart vorgestellt wurde. Ausgangspunkt der Untersuchung ist ein strukturelles Problem der Branche: Die Immobilien- und Bauwirtschaft investiert im Vergleich zu anderen Industriezweigen nur sehr wenig in Forschung und Entwicklung.
Gleichzeitig stehen Unternehmen vor einer wachsenden Zahl technologischer Entwicklungen – von digitalen Planungsmethoden über neue Materialien bis hin zu automatisierten Baustellenprozessen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen verfügen jedoch häufig nicht über ausreichende Ressourcen, um jede Innovation einzeln zu prüfen und umzusetzen.
Das Projekt INNObau untersuchte deshalb, wie Innovationsprozesse in der Bauwirtschaft systematischer organisiert werden können. Dazu wurden bestehende Forschungsstände analysiert, Workshops mit Branchenakteuren durchgeführt und Beispiele aus anderen innovativen Branchen betrachtet. Aus diesen Erkenntnissen entstand eine Innovationsmatrix, die konkrete Handlungsfelder und Umsetzungsoptionen für Unternehmen definiert.
Innovation als organisatorischer Wandel
Die Untersuchung des Projektteams macht deutlich, dass Innovation im Bauwesen weit über technische Lösungen hinausgeht. Neben digitalen Technologien spielen auch organisatorische und kulturelle Veränderungen eine zentrale Rolle.
Zu den wichtigsten Handlungsfeldern gehören:
- Prozessinnovation: Optimierung und Standardisierung von Planungs- und Bauprozessen.
- Organisatorische Innovation: Einführung neuer Rollen, etwa BIM-Koordinatoren oder digitale Projektmanager.
- Kulturelle Innovation: Förderung einer Unternehmenskultur, die Experimente und neue Methoden unterstützt.
- Kompetenzentwicklung: Schulungen und Qualifizierung von Mitarbeitenden im Umgang mit neuen Technologien.
Digitale Plattform für Wissenstransfer
Ein weiteres zentrales Thema der Sitzung war der Wissenstransfer innerhalb der Bauwirtschaft. Die Arbeitsgruppe „Wissenstransfer, Vernetzung und Austausch“ stellte das Konzept einer digitalen Transferplattform vor.
Diese Plattform soll mehr sein als eine klassische Website, so die Idee. Neben einer Übersicht über Veranstaltungen, Projekte und Schulungsangebote könnte sie ein organisatorisches Netzwerk der Bauwirtschaft bilden. Anbieter und Nutzer können Profile anlegen und Inhalte selbst einstellen, während eine Redaktion die Struktur und Qualität der Informationen sicherstellt.
Auch KI-gestützte Systeme könnten eingesetzt werden, um Informationen aus unterschiedlichen Quellen zu bündeln und über Chat-Interfaces zugänglich zu machen, mit dem Ziel, branchenspezifisches Wissen schneller zu verbreiten und für Unternehmen leichter nutzbar zu machen.
Fachkräfte und Weiterbildung
Die Arbeitsgruppe zur Fachkräftesicherung beschäftigte sich mit der Frage, wie Ausbildungs- und Weiterbildungsangebote besser auf die Anforderungen der Bauwirtschaft abgestimmt werden können. Dabei wurden zunächst bestehende Programme analysiert und anschließend Handlungsempfehlungen an verschiedene Ministerien übermittelt.
In Gesprächen mit den Ministerien wurden die Herausforderungen einer passgenauen Umsetzung erörtert. Insgesamt bestand Einigkeit darüber, dass eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Politik, Bildungseinrichtungen und Wirtschaft wichtig ist.
Neue Technologien auf der Baustelle
Auch technologische Innovationen standen im Fokus der Diskussion. Die Arbeitsgruppe „Innovative Produkte, Prozesse und Technologien“ präsentierte Empfehlungen zu mehreren Themenfeldern, darunter innovative Baustoffe, modulares Bauen, Baurobotik und serielles Sanieren.
Im Bereich Baurobotik wird derzeit diskutiert, das Thema breiter zu fassen und stärker auf automatisierte und digital vernetzte Baustellen auszurichten. Gleichzeitig eröffnen Förderprogramme des Bundes – etwa im Bereich KI-basierter Robotik – neue Möglichkeiten für Forschung und Anwendung in der Bauwirtschaft.
Ausblick
Die Sitzung zeigte deutlich, dass die Transformation der Bauwirtschaft nur durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren gelingen kann: technologische Innovation, organisatorischer Wandel, Qualifizierung von Fachkräften und eine stärkere Vernetzung der Branche.
Mit Initiativen wie dem Strategiedialog Baden-Württemberg, neuen Forschungsprojekten und Formaten sollen diese Entwicklungen in den kommenden Jahren weiter vorangetrieben werden. Ziel bleibt eine Bauwirtschaft, die effizienter, nachhaltiger und digitaler arbeitet – und damit einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen im Bereich Wohnen und Infrastruktur leistet.